Aphasie

Aphasie

(Griechisch: ohne Sprache)

Mit Aphasie werden Sprachstörungen bezeichnet, die nach abgeschlossenem Spracherwerb  auftreten. Sie beeinträchtigen nicht die Intelligenz. Begleitend zur Sprachstörung kann auch das Lesen,  Schreiben, das Sprachverständnis und die Gestik betroffen sein. Häufige Ursachen sind der Apoplex (Schlaganfall) mit 80 %, Schädelhirntrauma (Verletzungen des Gehirns) mit 10%, Tumorerkrankungen mit 7 % sowie entzündliche Gehirnerkrankungen und Hypoxien (Sauerstoffmangel im Gehirn)

Je nach dem geschädigten Hirnareal kann sich eine Aphasie sehr unterschiedlich äußern. In der rechten Gehirnhälfte scheinen Areale zu liegen, die für Sprachmelodie und Rhythmus zuständig sind. Auch das ganzheitliche Erfassen von Redewendungen und Wörtern wird der rechten Hemisphäre zugeschrieben. In der linken Hirnhälfte liegen, nach Expertenmeinung, eher Zentren für  Lautstrukturen, Wortwahl und Satzbildung.

In der Literatur werden vier aphasische Standard-Syndrome unterschieden.

 

Global- Aphasie

Am häufigsten ist dabei die linke Gehirnhälfte geschädigt. Sie ist die schwerste Form. Es sind alle sprachlichen Modalitäten beeinträchtigt. Der Patient äußert sich entweder gar nicht oder ist weitestgehend unverständlich. Er benutzt oft sinnlose Silben und Lautfolgen  oder automatisierte Floskeln. Das Sprachverständniss ist stark gestört, Lesen und Schreiben ist nicht möglich. Z.B. kann es sein, dass ein Patient nur noch AuAuAu oder LuLuLu sagen kann.  Vielleicht antwortet er auch auf alles mit Oh-je.

 

Broca Aphasie

Das von Pierre Paul Broca entdeckte und nach ihm benannte  Hirnareal ist geschädigt.  Sehr selten ist sie die Folge  einer akuten Hirnschädigung. Sie kann sich über eine lange Zeit aus der Global- Aphasie entwickeln.  Das Leitsymptom ist der Agrammatismus (fehlende Grammatik).  Das Verstehen kann relativ erhalten sein, jedoch die Konversation ist nicht fließend sondern im Telegrammstil (z.B. auf die Frage „Wo sind Ihre Probleme? „ Kommt die Antwort: “Bein, Hand, Schreiben  schwer“). Es kann auch zu phonematischen Paraphasien kommen (die Wortbildung ist gestört z.B. Statt Löffel –Föttl oder statt Waschlappen- Schlappflatten). Das Lesen, Schreiben und Nachsprechen ist gestört. Der Patient spricht langsam, stockend und mit großer Anstrengung, vor allem durch die Wortfindungsstörung Z.B.  „die Be, äh Bre, na Becher“

 

Wernicke Aphasie

Nach dem Neurologen Carl Wernicke ist die Gehirnregion benannt, die betroffen ist. Das Leitsymptom ist hier der Paragrammatismus (fehlerhafter Satzbau). Der Sprachfluss ist gut erhalten, wirkt sogar oft überschießend. Das Sprachverständnis ist gestört. Auch das Nachsprechen ist oft nicht möglich. Z.B.: Zielwort: Tisch wird zu Stip oder Schik. Sie sind sich ihrer Sprachstörung oft nicht bewusst. Die Patienten realisieren die Unterschiede zwischen dem Gesagten und dem, was sie sagen wollten, nicht. Sie hören also sozusagen das, was sie sagen wollten, auch wenn bei uns etwas vollkommen anderes ankommt (vgl: http://www.ratgeber-neuropsychologie.de) . Z.B.: Auf die Frage „haben Sie Familie?“ War die Antwort: „Ja die Einludongen, Die Einludongen habe ich schon irgendwie degus, irgendwie was sess, oder sagen tu ich oft für die.“

 

Amnestische Aphasie

Die Lokalisation ist nicht klar umschrieben. Die Läsion kann in verschiedenen Bereichen liegen. Das Symptom das hauptsächlich vorkommt sind Wortfindungsstörungen die zu Satzabbrüchen führen können. Der Satzbau ist dabei normal. Oft benutz der Patient Umschreibungen wie z.B. der Löffel wird zu: „das mit dem man ißt“. Es werden immer wieder Floskeln eingesetzt z.B. „du meine Güte, wie war das“. Das Lesen, Schreiben und Verständnis ist kaum beeinträchtigt. Die AA kann auch ein Restsymptom einer rückgebildeten anderen Aphasie sein.

Diagnostik

Standardisierte Tests wie der Aachener Aphasie Test oder der Token Test kommen zum Einsatz und werden von der Logopädie durchgeführt ggf. auch von Neuropsychologen. Unter anderem wird die Spontansprache, das Nachsprechen, die Schriftsprach, das Benennen und das Sprachverständnis getestet. Des Weiteren kann die Mundmotorik oder das Identifizieren von Objekten getestet werden.

Therapie

Zu Beginn wird der Patient in einer Aktivierungsphase zum Sprechen angeregt, es wird versucht Blockierungen zu durchbrechen, Hemmungen zu überwinden oder auch Kompensationsstrategien geübt.

In einer Störungsspezifischen Übungsphase wird speziell der Wortschatz, Satzstrukturen, Schriftsprache, Satzbau oder Textstrukturen geübt. Im Anschluss kann noch eine Konsolidierungsphase folgen, in der mit Dialogtherapie oder Alltagstraining das vorher geübte gefestigt wird. Die Teilnahme an Selbsthilfegruppen für Betroffene ebenso wie für Angehörige ist zu empfehlen.

Regeln für den Umgang mit aphasischen Menschen

Trotz ihrer Aphasie haben diese Menschen ihre Fähigkeit zu Denken nicht verloren. Die Gefühle, Wünsche und Lebenserfahrungen sind noch vorhanden. Bringen sie daher bei der Kommunikation viel Geduld mit.

Rahmenbedingungen:

Kein Zeitdruck, keine Ablenkungen und Unterbrechungen,

Kommunikative Bedingungen:

  • Blickkontakt aufnehmen und halten
  • Mimik und Gestik einsetzen
  • zeichnen o. schreiben
  • Verständnis für die schwere Lage des Pat zeigen
  • Kurze Sätze
  • Langsam sprechen
  • Nicht schreien! Der Patient hört in der Regel gut
  • Ja/Nein Fragen stellen
  • Vermeiden von schnellen Themenwechseln
  • Keine Babysprache oder Telegrammstil sondern sprachlich korrekt formulieren
  • Mit dem Patienten reden nicht über ihn
  • Konzentrieren hilft nicht Stress ist kontraproduktiv, lieber später noch einmal versuchen
  • Nicht unterbrechen oder das Wort aus dem Mund nehmen
  • Rückmeldung durch Fragen oder Raten

Abhängig von der Art und der Schwere der Aphasie können Kommunikationshilfen unterstützen. Z.B. Bildtafeln zu verschiedenen Themen, Computer mit Lautsprachausgabe oder Schriftsprachausgabe

Folgen der Aphasie können ein sozialer Rückzug und die Gefahr einer Depression sein.

 

Behandeln sie den Aphasiker als gleichwertig, erwachsenen Gesprächspartner,

denn…

Er ist nicht nur Aphasiker sondern vor allem Mensch!

 

Literaturliste:

Das Schweigen verstehen

Skript Yasmin Krischock

Mario Prosiegel, Erscheinungsjahr: Neuropsychologische Störungen und ihre Rehabilitation, Auflage, Erscheinungsort, Verlag

Goldengerg G., Erscheinungsjahr: Neuropsychologie Grundlagen, Klinik, Rehabilitation.

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